#meinefreiheit

 

#alpsthegreatescape- Mit Rad und Zug zum Montblanc

Prolog: Martelltal mit dem Rad- eine gute Idee. Aber nur ohne Gepäck...

Bei leichtem Regen in übergehendem Schneefall steilt sich die Straße ein letztes Mal mit 18% Richtung Parkplatz zur Martellhütte auf. Mit 18kg Gepäck am Rad werden die letzten Kehren zum Boulderproblem-kurze Sprints in den flachen Teil der Kehre- Absteigen, kurz den Puls beruhigen und daran denken, dass auch diese Straße irgendwann ein Ende hat.

 

Start in Ottensheim- am Vortag für ein Bild. Danke Herbert!

 

Schmunzelnd denke ich an die erste Bergwertung zum Lucknerhaus am Glockner zwei Tage vorher. Im Rahmen des Radrennens Tour des Alpes habe ich mich von den zahlreichend anwesenden schulterklopfenden Hobbyfahrern verleiten lassen bis Kals mit unpassend hoher Berggeschwindigkeit noch oben zu fahren.

Die Reststrecke zum Lucknerhaus und der nachfolgende Hüttenaufstieg mit Skiern war eine erste Warnung die 3 goldenen Regeln der kommenden Tage zu befolgen: Mut zur Pause, Überholt werden erlaubt und Eitelkeiten ganz weit unten in der Fahrradtasche und im Rucksack verstauen….

Meine Gäste auf der Stüdlhütte habe ich mit einem lauwarmen Händedruck und einem einschießenden Oberschenkelkampf begrüßt- kein guter Start am ersten Tag meiner Tour.

 

COVID und Klimakrise- Zeit mein Mobilitätsverhalten zu überdenken

Mitte März 2020 habe ich alle Hochtouren und Skiaktivitäten meiner Bergschule ALPS absagen müssen. Lock Down, Reisebeschränkungen und die nachfolgende Absage- und Umbuchungsorgie haben zu weitreichenden Änderungen und vielen Unsicherheiten geführt.

Auf der anderen Seite hatte ich Zeit unsere ALPS Change 2025 Klimaziele neu zu überdenken, und viele schöne Touren und Klettereien in den heimischen Bergen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und meinen Rädern anzugehen.

Trainingstouren und auf der Suche nach dem richtigen Setup!

 

Hilfreich war dabei die Erstellung meiner eigenen Co2 Bilanz via atmosfair.de, die – falls man an die Hölle glaubt- nach meinem Ableben zu einem Fixplatz am diabolischen Grillspieß geführt hätte.

Vegetarische Lebensweise Hin oder Her- Rolling Hotel California de Luxe ist keine saubere Sache….

Nach den neuerlichen Absagen und Verschiebungen aller Skihochtouren im Frühjahr 2021 hatte ich dann Zeit einen relativ radikalen Ansatz für eine hübsche Skitourenrunde mit Skiern und öffentlichen Verkehrsmitteln zu entwickeln.

 

Der ( etwas abgefahrene) Plan #thegreatescape

Die höchsten Skigipfel von Österreich, Südtirol, Italien, der Schweiz und Frankreichs mit Gästen zu besteigen und dabei öffentlich anzureisen.

Maximale Dauer 12 Tage, um nicht allzulange von zu Hause wegzubleiben und die Kosten sollen nicht höher als 1500 EUR betragen. Als Transportmittel sind nur Fahrzeuge erlaubt, die keine fossilen Brennstoffe benötigen. Es gibt keine Begleitfahrzeuge. Ein Co2 neutrales Nachsenden von Gepäck ist erlaubt.

 

 

 

 

Tag 1: Start am 21.4.2022, Ottensheim 5:45, erstes Bergziel Großglockner 3798m

Endlich geht’s los! Ich verstaue meine letzten Sachen am Rad und gehe meine Liste nochmal durch. Es dürfte alles da sein- nein es muss alles da sein! Ein kurzer und inniger Abschied von der Familie und rolle ich die Donau entlang Richtung Bahnhof Linz.

 

Der Wetterbericht für die kommenden Tage ist am unteren Ende der Zumutbarkeit.

Es werden schon zu Beginn spannende Verhältnisse auf uns zukommen. Wenig Schnee, keine Sicht und Wind mit Niederschlag am Nachmittag.

 

Nach der (leider) bereits üblichen Einlade- und Platz Prozedur mache ich Bekanntschaft mit einem neu ausgebildeten Zugchef, der seine Aufgabe noch sehr K&K Staatsbahn mäßig interpretiert, und mir zuerst die Mitnahme verweigern will. (keine Reservierung bis Salzburg und Rad kann nicht aufgehängt werden…)

 

 

 

Als er dann auch daran scheitert auf der ÖBB App einen Platz zu reservieren steht meinem Transport bis Lienz nichts mehr im Weg.

 

Lienz begrüßt mich mit Rückenwind und gutem Wetter! Mit Verve geht’s das Iseltal bis Huben, und meine Übermotivation wird noch ein Nachspiel haben….

 

Nachdem mich Richtung Kals der gefühlt hundertste Begleitwagen irgendeines Radteams überholt, wird mir klar, dass die netten Fahnen TOUR OF THE ALPS nicht für mich angebracht wurde.

Start in die Bergwertung- es folgt der Mann mit dem Hammer …

Es scheinen noch andere ähnliche Ziele zu haben.

Irgendwie reißt mich das Ganze mit, und meine eigentliche Taktik ist ab Kilometer 8 über den Haufen geschmissen. Schulterklopfende Amateure als Zuschauer sprechen mir Mut und Bewunderung zu und jeder Daumen hoch am Straßenrand ist ein Schubs in die falsche Richtung, denn der Mann mit dem Hammer wartet geduldig bei der Mautstelle zum Lucknerhaus.

 

 

Bergführerkollege aus Salzburg, in Kals- da ist die Kraft schon weg nur weiss ich es noch nicht

 

Es waren nur 3 Stunden, 40 km und rund 1500 HM- aber mit 22 Kilo Gepäck und genau 10% schneller als eigentlich möglich reicht das… zumindest für mich!

Die letzten Kilometer zum Zwischenziel sind dann eine eigene Erfahrung.

Ich hätte Sie mir gerne erspart. Das Unangenehme an der ganzen Angelegenheit: es fehlen aber leider noch 800 Skihöhenmeter zur Stüdlhütte, und ich bin um 19:00 mit den Gästen verabredet.

 

Nach 2:45 raste ich nochmal am letzten Felsblock bevor ich ins Sichtfeld der Hütte und daher auch meiner Gäste kommen könnte. Der Versuch zumindest die letzten 50 HM in bergführer ähnlichem Tempo zurückzulegen gelingt. Den Preis dafür bezahle ich 5 Minuten später bei der Begrüßung meiner Gäste….

 

 

 

Endlich bei er Stüdlhütte

Tagesfazit: Start 5:45, Rad nach Linz, Zug nach Lienz. Rad zum Lucknerhaus, Aufstieg zur Stüdlhütte- Ende 19:14

Höhenmeter #auseigenerkraft : 2145HM  Wegstrecke #auseigenerkraft 60,45km

 

Tag 2: 22.4.2022- Einsamer Gipfeltag am Großglockner

Bereits am Vorabend stellt sich heraus, dass Bernhard und Maria begeisterte SkitourengeherInnen sind, und bereits viele Gipfel und Berge kennen.

Das Material zeigt, dass beide gut am Ski stehen (schau Dir immer die Schuhinnenseite an), und es war ein netter wenn auch kurzer Abend.

 

Es ist eine etwas eigenartige Stimmung auf der sonst so geschäftigen Stüdlütte, denn außer uns ist – neben dem Hüttenpersonal- niemand da.

 

 

Meine Gäste aus Tirol beim Aufbruch

 

Wir frühstücken und starten dann entspannt Richtung Ködnitzkees.

 

So schlecht ist das Wetter gar nicht, und die absolute Einsamkeit erzeugen eine lässige Stimmung am Berg und zwischen uns. Selten sind die Momente, bei denen man mit neuen Gästen bereits zu Beginn eine starke Verbundenheit fühlt, und weiß dass auch schwierige Situationen gut zu meistern sein werden.

 

Schnell erreichen wir den Bahnhof auf 3400 Metern und steigen die vereisten Seile Richtung Scharte. Es sind anspruchsvolle aber taugliche Verhältnisse für uns.

 

 

Nach der Glocknerscharte- es ist winterlich

 

In knapp 40 Jahren Glocknerbergsteigen habe ich den Berg noch nie so einsam und ursprünglich erlebt. Auf der leicht angeschneiten Spur kommen wir schnell höher und erreichen gegen 10:00 den Gipfel.

 

 

Einsam am Glocknergipfel- kurz zeigt sich die Sonne….

 

Es ist ein besonderer Moment, als die Sonne leicht durchbricht, und wir am Kreuz oben die Erinnerungsbilder machen. Es ist- außer uns- niemand da!

 

Der Abstieg ist ein Genuß ohne Gegenverkehr von Ungeführten. Es ist ein ungestörter und sicherer Abstieg über den sonst so belebten Grat. Als wir unser Skidepot erreichen starten wir eine genußvolle und hurtige Abfahrt. Um es mit den Worten meiner Gäste wiederzugeben: „Es ist immer schön wenn sich richtige Skifahrer treffen!“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

 

Eine steile Einfahrt und dann lässiges Schwingen am Weg ins Tal

Die kurze Tragestrecke zurück zum Lucknerhaus bringt uns an blühenden Krokusfelder vorbei und mit dem einsetzende Schneefall setze ich mich nach dem Mittagessen auseinander.

 

Es ist heuer immer eine Tragerei- Abstieg vom Lucknerhaus

 

Es ist der erste von 5 geplanten Gipfeln- aber ich spüre jetzt erstmals den für uns Alpinisten so wichtigen Auftrieb! Es war ein rundherum gelungener Tag- trotz der schlechten Prognose. Vergessen sind die Krämpfe und Unsicherheiten von Gestern, und es geht heute nur mehr Abwärts.

 

Nach einem herzlichen Abschied und dem Angebot meiner Gäste mich bis Lienz mitzunehmen, richte ich mich auf nasskalte 40 km bis Lienz ein. Und die sollten auch kommen.

 

Es schneit, der Wind kommt aus der falschen Richtung, und der Glockner ist schon lange nicht mehr zu sehen.

 

 

Ein echtes Sauwetter am Weg zurück nach Lienz

Mit dem Gipfel und den glücklichen Gästen im Gepäck, ist das Wetter nur mehr halb so schlecht, und meine Bekleidung hält was ich ausgetestet habe.

Der TOUR OF THE ALPS Tross ist mit seinen gefühlten 300 Begleitfahrzeugen längst abgezogen. Es ist mir nur Recht- sonst hätte ich mich vielleicht selber noch auf der Abfahrt gefährdet.

 

Angekommen im Iseltal muss ich leider erkennen, dass der Radweg auch als Wendepunkt für Mistfuhren verwendet wird, und ein hoch biologisches Regen/Adel Gemisch zuerst meine Ski und dann meine Bekleidung überzieht- für mich reichts dann heute: Ab zur Lanzenwäsche, in die Sauna mit Eisabreibung und ein leckeres Abendessen mit dem Lukas Zipper in Lienz.

 

Discodancing fällt heute aus…

 

Tagesfazit: Start 6:15, Aufstieg Großglockner 3798m ,Rad nach Lienz, - Ende 18:30

Höhenmeter #auseigenerkraft : 1144HM  Wegstrecke #auseigenerkraft 41,56km

 

Nächstes Ziel: Ortler