#aus eigener kraft

ALPS Project Challenge 2017

ALPS Project Challenge 2017 in Kooperation mit Climax und Black Diamond

 

122 BewerberInnen aus Österreich und Deutschland haben sich die Mühe gemacht, ihre Kletterwunschprojekte in digitaler Form zu senden. Einfacher Deal abseits von jenseitigen Castingshows: persönliches Klettertraining und Coaching von Leuten die´s wissen, bist Du im Herbst Deine Route geklettert bist.

 

Die Regeln für eine Teilnahme war für alle gleich und klar: Gute Route, hohes Engagement und Motivation sich die eigenen Kletterträume mit seinem Wunschprojekt zu erfüllen. 18 Teilnehmer haben wir zu den Teamdays in Tirol, Wien und Franken eingeladen.

Gemeinsam mit den Trainern Angy Eiter, Andi Hofmann und Hati Finsterer von ALPS wurde an den intensiven Klettertagen das Gewünschte vom Möglichen getrennt und in einigen Fällen war bald klar, dass die BewerberInnen uns eigentlich nicht brauchen, sondern irgendein ein kleines Missverständnis vorlag: persönliches Klettertraining ja - Instantkletterwunder ohne persönlichen Aufwand leider nein...

 

Teamday in Tirol mit Angy Eiter

Die  6 Plätze haben sich dann je 3 ÖsterreicherInnen und 3 Deutsche fair aufgeteilt (sorry Schwyz- was aber sicher das witzigste Mail das wir jemals bekommen haben...). Tolle Projekte, starkes Engagement und lässige Klettertage haben uns dann zu 6-mal Gold geführt.

 

Die Auswahlkriterien waren dann ganz einfach. Je ambitionierter desto besser. Wenn zumindest eine der drei Superkräfte Koordination, Kondition und Kognition bereits ausreichend vorhanden waren, dann gings an den Start.

 

  • Laura Lanig (Wien/Allgäu oder so) mit dem Projekt Nirwana 7b (Ausdauerproblem mit harten Stellen)
  • Neele Grundmann (Bremen) Liebe ohne Chance 7c (Kraftausdauer an üblen Slopern und Griffen)
  • Timo Skarwan( Alland) Keep Smiling 7a+ (harte Stelle ganz zum Schluss...)
  • Thomas Danzl(Wiesing) mit Gasthaus Post 7a(+) (Ausdauer mit Stellen)
  • Manuel Baldauf ( Innsbruck) mit Kangarooh Jump 8a (30 Meter Brett mit sehr harter Stelle am Ausstieg)
  • Marie Jeutter ( Stuttgart) mit Entsafter 7b (Benchmark für eine Fränkische 7b, weite, kräftige Züge)

 

Erstes Trainingslager Tirol

 

Wenn du eine nigelnagelneue Monsterkletterhalle zur Verfügung hast, deine Kletterausrüstung von Black Diamond bekommst, Alex Megos neben dir am Morgen aufwärmt (netter einarmiger Handstand Alex!), Angy Eiter die Schlingen in deine Tour einhängt und Gerhard Hörhager die Schlingen bei 30 Grad in der Sonne wieder rausholt, dann weißt du, dass gerade irgendwas anders ist: richtig APC Trainingslager in Innsbruck und Ginzling!

 

 Alex Megos kontrolliert das Frühstück

Aber der Reihe nach: Treffpunkt KI Innsbruck mit einem Mörder-Boulderbereich und ca. 600 Routen in allen Schwierigkeitsgraden - ideal, um die Grundlagen des ALPS Klettertrainings vorzuzeigen, und die ersten Krafttests durchzuführen (die Leiste und die Uhr lügen nicht!).

Mehr Halle geht nicht- und irgendwann war dann Schluss mit Kraft und Koordination. Zeit ins Zillertal zu wechseln - oder besser, zum Diggl.

 

Gerhard Hörhagers Multifunktionssportzentrum im rustikalen Look. Nigelnagelneues Kletterzentrum getauscht mit Folterkammer im liebevoll restaurierten Bergbauernhof - Blick auf die Bergstation inklusive. Nach langen Erklärungen über Aufbau und Transformationsphasen, Laktattoleranz und Antagonistentraining – herzlich willkommen in Real Life.

 

Best Plastic Ever- Timo in einer 7a im KI

 

Aufwärmen mit Angy Eiter in den ewigen Jagdgründen und die ersten Lektionen erteilt der Granit sofort. Kraft ist das eine, aber Klettern an den abschüssigen Tritten und Griffen das Andere. Der Rest ergibt sich dann: Thomas klettert seine erste 6c+/7a im 3.Versuch, Timo kann sich nach gefühlten 2 Stunden während des Versuchs nicht entscheiden wo links und rechts ist, Neele und Manuel werden von der Frau Eiter in einer Einzelstellen 7c+/8a auf soziale Kompetenz getestet, während Marie und Laura Seillänge um Seillänge in moderaten Graden einkassieren. Klettern kann schon lässig sein.....

 

Nachbesprechung des Klettertags beim Diggl...

„Servus“ vernimmt man dann noch am Abend in breitem fränkischem Dialekt und ein gutgelaunter Alex Megos samt internationaler Unterstützung findet sich im Diggl ein. Zugänglich, freundlich und motivierend.

 

Der dritte Tag beginnt mit einer Aufwärmeinlage der besonderen Art- es ist halt doch ein Unterschied zwischen Weltklasse und ambitionierten Amateuren. Wir lassen das mal und hecheln einem bestgelaunten Gerhard Hörhager Richtung Bergstation hinterher.

 

Die Linien knallen in den sattblauen Himmel und während Alex Megos ohne sichtliche Gefühlregung knapp an der 9a(+) vom Jakob scheitert- kassiert das Project Sextett lässig ein: Manuel zeigt mal, dass ein ordinärer Routennamen anregend wirken kann, während die Damen lässig Googeln und dann im oberen Teil noch erkennen müssen, dass Sonne&Sloper keine gute Kombi ist.

 

Neele in einer sehr anzüglichen 7b+

Als Gerhard dann bei gefühlten 50 Grad die Schlingen aus dem Ordinären holt, erkennen alle, dass auch in der Lebensmitte die Muskulatur des männlichen Tirolers nicht zur Schrumpfung neigt - außergewöhnliches Kletterkönnen inklusive.

So schaut dann ein Trainingstag aus... Viel Spass!

 

 

Die Trainingspläne werden noch mal besprochen, Stärken und Schwächen herausgearbeitet und man verabschiedet sich motiviert in die Heimat. Man sieht sich in Franken, 10 Wochen, einige Klimmzüge und Bouldereinheiten später. Habe die Ehre!

 

 

 

 

10 Wochen danach - ein Wiedersehen im Café Kraft

 

Zitat vom Meister-unsere 6 TeilnehmerInnen

Erster Eindruck - alle pünktlich, alle motiviert. Zweiter Eindruck - die Mädels deutlich lockerer als die Jungs... Dritter Eindruck bestätigt die letzten Trainingsprotokolle der Aufbaueinheiten: Wer nach Plan trainiert wird stärker. Und da haben die Mädels richtig Gas gegeben oder wie bei Neele den Fuß im richtigen Moment vom Gas genommen.....Weniger ist oft mehr aber nicht immer!

 

Kann es einen würdigeren Ort für einen Krafttest geben als das Café mit gleichem Namen? Der Meister und seine Erben lächeln dich von unzähligen großformatigen Bildern an und alle hier scheinen einer Meinung zu sein: „Zuviel Kraft ist ein Zustand, den es nicht gibt...“

 

Daten und Taten- irgendwie hängt alles zusammen .....

 

Lassen wir nur die eindrucksvollsten Zahlen und Fakten nach 10 Wochen Aufbautraining sprechen:

 

  • Marie:  Hängen 4 Finger: Entlastung bei Trainingsstart: Links 13/Rechts 16 kg Entlastung, Krafttest nach Aufbautraining: Links 0/Rechts 0 kg
  • Laura: Hängen 3 Finger: Entlastung bei Trainingstart: Links 16/Rechts 20 kg Entlastung, Krafttest nach Aufbautraining: Links 8/Rechts 0 kg 
  • Neele: Hängen 4 Finger: Entlastung bei Trainingstart: Links 15/Rechts 13 kg Entlastung, Krafttest nach Aufbautraining: Links 0/Rechts 3 kg

 

 Krafttest die Zweite-muss auch sein.....

 

Thomas hat sich leider bei einer Bergrettungsübung verletzt und ist nicht ganz fit. Der Rest der Gang hat leichte Steigerungen trotz mehrwöchiger Hochzeiten in Polen und malerischer Strandspaziergängen an der Ostsee... Wir nehmen das mal so zur Kenntnis und verständigen uns auf „kommt schon - wird schon“- ja eh, irgendwann sicher.

 

Hati not amused...irgendwer muss ja pushen

Man soll ja das Genie beim Klettern nie unterbewerten, auch die letzte Hingabe beim entscheidenden Versuch, Seilweglassen oder Glück sollen in dem Sport schon eine Rolle gespielt haben - nur wir sind in Franken, im Café Kraft, an den Wirkungsorten von Güllich, Albert, Megos. Hinter Dir steht Andi Hofmann und feuert Dich an: es ist also Zeit Tacheles zu sprechen - in Zeiten der Fake News, Clip Sticks, Sturzangst-weg in 3 Stunden-Kursen und Wohlfühl-Kletterwochenenden bei Vollmond: Das hier ist Sport. Sportklettern hat mit Kraft zu tun. Ohne Maximalkraft, keine Ausdauerkraft. Ohne Ausdauerkraft keine Tour- nämlich keines der geplanten Projekte. Leider - so einfach ist das vertikale Leben!

 

 

Einige haben das verstanden und sind durch ein Tal der Tränen bei der A2-Einheit gegangen. Andere haben das vielleicht verstanden aber nicht gemacht. Die Stimmung war also - sagen wir mal - zweigeteilt. Der anschließende Boulderbash in 2 Gruppen hat dann den Krafttest weitgehend bestätigt- sei´s drum. Wir haben einen langen Atem....

 

Marie denkt schon an die nächste Einheit....

 

Der nächste Tag bringt das erste Erfolgserlebnis für die Trainer - fast alle Teilnehmer setzen sich in der Aufwärmtour ins Seil. Kein Witz. Der Fels ist nass und unser Human Clip Stick Model: Homo Alpinus Robustus war so nett und hat die  ersten beiden Haken vorgehängt. Die Anzahl der in der sogenannten Aufwärmtour verschenkten Klettertage ist eine Legion und wir halten das anders: Körper warm machen und später das Ego- so klappts eher unverkrampft.....

 

Andi checkt die Lage. Einer muss ja den Überblick haben....

 

Auf jeden Fall hält uns nichts an der Heldwand und wir ändern auch unseren Plan: statt schickem Projektklettern, wird das eine Mischung aus Belohnungstag und Transformationstraining. Rauf zur Wolkensteiner Wand und ab in die recht griffigen und langen Routen von 6-8. Lässiger Fels, gutes Videostudium und eine stark verbesserte Stimmung - die Motivation steigt bei allen spürbar. Der Abend vergeht mit Einzelgesprächen über das Training, Studium des Führers und sortieren der Ausrüstung - mit anderen Worten: Rock is in the air!

 

Abschlusstag - es steht Projektklettern am Programm. Was ist richtiges Ausbouldern, wie gehe ich das ganze taktisch an, wo fehlt´s noch. Der gestrige Tag hat allen gutgetan - die Unterarme sind erholt und Andi hält eine (für seine Verhältnisse) Brandrede für vernünftiges Ausbouldern: Schlingenhalten, Rasten, Züge zählen, Bilder und Videos machen, Schlüsselstelle nachbauen- alles erlaubt, alles erwünscht - nur bitte mit Hirn ja - alles klar?

 

Neele leistet ganze Arbeit....

Während die Abseitsfalle zur Maßarbeit wird, Station 53 zu 52 und die  Routenempfehlungen des einen Trainers einfühlsam und gesichtswahrend vom Local korrigiert werden, startet Marie einen Amoklauf durch die Püttlacherwand: 7a onsight, 7a+ geflasht, 7b+ nach der Schlüsselstelle geflogen, 8er onsight. Bam Oide - würde der Wiener sagen.

 

Thomas in der Abseitsfalle- abgezockt!

Thomas liefert in der Abseitsfalle Maßarbeit und kassiert die im 2., Manuel schaut nach Geschenken und wird fündig ohne auszupacken (muss ja nicht sofort sein...), Laura überwindet eine kurze Schwächephase mit einem lässigen Achter und Neele hält sich ans Programm: ausbouldern, anschauen, durchsteigen. Souverän! Timo macht Bewegungserfahrung im achten Grad- das hatten wir schon.....

 

 Manuel im Entsafter. 

10 weitere Trainingswochen liegen vor uns. Nun geht’s ans umsetzen und  weitermachen.

Marie klettert am nächsten Tag Ihr Projekt Entsafter mit Schlingeneinhängen. Soviel zum Thema PAYBACK. Die anderen sind am Weg - wir werden sehen wo´s aufgeht....

 

 Marie klettert Ihr Projekt-souverän und ohne große Probleme. Wir gratulieren zum Entsafter 7b!

Bilder: die guten sind von Manuel Baldauf und Bernhard Fiedler, die weniger guten von ALPS

Text: Hati Finsterer korregiert von der Laura- Danke!